SAP Fiori nach Go-Live: Warum Training jetzt entscheidend ist
Nach dem Go-Live herrscht oft Ernüchterung: Anwender kehren zu alten T-Codes zurück, Support-Tickets häufen sich, und die Investition in S/4HANA entfaltet nicht ihr volles Potenzial. Woran das liegt, welche Fehler sich schnell festsetzen — und warum gezieltes Training nach dem Go-Live der entscheidende Hebel ist.
Der Go-Live ist geschafft – und jetzt?
Das SAP S/4HANA-Projekt ist abgeschlossen, das System läuft, die Daten sind migriert. Das Projektteam atmet durch. Doch in den Fachabteilungen beginnt in diesem Moment oft erst die eigentliche Herausforderung: Die Anwenderinnen und Anwender sitzen vor einer Oberfläche, die sie so noch nie gesehen haben – und sollen damit ab sofort ihren Arbeitsalltag bewältigen.
Genau hier entscheidet sich, ob eine S/4HANA-Migration ihr volles Potenzial entfaltet. Oder ob sie im Arbeitsalltag versandet, weil die Menschen im Unternehmen nicht wirklich mitgenommen wurden.
Was nach dem Go-Live wirklich passiert
Die Realität in vielen Unternehmen sieht so aus: Vor dem Go-Live gibt es eine Schulung – oft komprimiert, oft unter Zeitdruck. Die Anwender bekommen einen Überblick, klicken sich durch Übungsszenarien und erhalten ein Skript. Dann geht das System live.
Wenige Wochen später zeigt sich das typische Bild: Support-Tickets häufen sich, die Fehlerquote steigt, und in den Fluren hört man den Satz, den kein Projektverantwortlicher hören möchte: „Das alte System war besser.“
Bekannte Zahl aus der Praxis
Bis zu 40 % der kritischen Workflows basieren nach dem Go-Live noch immer auf klassischen SAP-GUI-Transaktionen oder Workarounds – obwohl moderne Fiori-Apps bereits bereitstehen. Anwender greifen aus Gewohnheit auf vertraute T-Codes zurück, weil ihnen Fiori im Stress nicht sicher genug erscheint.
Die häufigsten Probleme nach dem Go-Live
Wer regelmäßig mit Anwenderinnen und Anwendern nach einer S/4HANA-Migration arbeitet, kennt diese Situationen:
1. Das Fiori Launchpad wirkt fremd
Langjährige SAP-Anwender haben über Jahre ein präzises Muskelgedächtnis für T-Codes, Menüpfade und SAP-GUI-Masken aufgebaut. Dieses Wissen funktioniert in Fiori schlicht nicht mehr. Die Kachelstruktur, die rollenbasierte Navigation und das neue Suchkonzept fühlen sich zunächst wie ein Rückschritt an – auch wenn sie objektiv leistungsfähiger sind. Wer nicht intensiv geübt hat, orientiert sich nicht.
2. Bekannte Transaktionen fehlen oder heißen anders
FB01, FBL1N, MIRO, F-02 – Transaktionscodes, die jahrelang täglich eingegeben wurden, sind in Fiori entweder nicht mehr direkt erreichbar oder durch neue Apps ersetzt.
Beispiele: ECC-Transaktion → Fiori-App
- MIRO (Rechnungseingang) → Kreditorenrechnung anlegen
- FBL1N (Kreditoreneinzelposten) → Kreditoreneinzelposten verwalten
- FB01 / F-02 (Buchungsbeleg) → Hauptbuchbeleg buchen
- FBL5N (Debitoreneinzelposten) → Debitoreneinzelposten verwalten
- AS01/AS02 (Anlage anlegen/ändern) → Anlage verwalten
Das klingt logisch – aber im Tagesgeschäft erzeugt jede solche Änderung zunächst Unsicherheit und Zeitverlust.
3. Prozesse laufen anders als gewohnt
Fiori-Apps sind nicht einfach neue Fenster für alte Transaktionen. Sie bilden Prozesse neu ab, oft schlanker, manchmal mit veränderter Schrittfolge. Wer nur gelernt hat, wie die App technisch aussieht, aber nicht warum der Prozess so gestaltet wurde, macht Fehler – und findet sie selbst oft nicht.
Praxis-Hinweis
Besonders häufig treten Fehler bei Freigabe-Workflows auf: In Fiori laufen Genehmigungsprozesse über den My Inbox-Bereich, nicht mehr über klassische Workitem-Transaktionen. Wer das nicht weiß, lässt Vorgänge unbemerkt liegen.
4. Neue Mitarbeitende fallen komplett durch das Raster
Ein oft übersehenes Problem: Projektschulungen finden einmalig statt, kurz vor dem Go-Live. Wer danach ins Unternehmen kommt, erhält häufig keine strukturierte Einweisung ins neue System. Interne Weitergabe von Wissen ersetzt keine professionelle Schulung – sie festigt stattdessen Fehler und Workarounds.
5. Die Stimmung kippt – und mit ihr die Akzeptanz
Wenn Anwender das Gefühl haben, mit dem neuen System allein gelassen zu werden, sinkt die Akzeptanz schnell. Frustration im Team überträgt sich, und was als „modernes ERP“ eingeführt wurde, wird intern zum Sinnbild für Mehraufwand. Das ist schwer rückgängig zu machen.
Zwischenfazit
- Die häufigsten Probleme nach Go-Live sind keine technischen – sie sind menschliche.
- Gewohnheiten, fehlende Orientierung und mangelndes Prozessverständnis kosten täglich Arbeitszeit.
- Ohne gezieltes Nachtraining verfestigen sich Fehler und Workarounds schnell als neue „Normalität“.
Warum die Erstschulung vor Go-Live nicht ausreicht
Das ist keine Kritik an der Qualität von Projektschulungen. Es ist eine strukturelle Realität: Menschen lernen am besten dann, wenn sie das Gelernte sofort anwenden. Eine Schulung vor dem Go-Live vermittelt Wissen für einen Arbeitsalltag, der noch nicht begonnen hat. Das meiste davon ist nach vier Wochen Produktivbetrieb vergessen oder überlagert von Alltagsproblemen.
Was wirklich hilft: Gezieltes Training nach dem Go-Live
Die Erfahrung aus zahlreichen S/4HANA-Projekten zeigt, dass Trainings, die 4 bis 8 Wochen nach dem Go-Live stattfinden, den größten nachhaltigen Effekt haben. Zu diesem Zeitpunkt haben Anwender konkrete Erfahrungen gesammelt, echte Fragen und klare Probleme – und sind bereit, wirklich zuzuhören.
Was gezieltes Nachtraining leistet
- Greift die konkreten Stolperstellen auf, die im Arbeitsalltag aufgetreten sind
- Erklärt nicht nur das Wie, sondern auch das Warum hinter veränderten Prozessen
- Gibt Anwendern das Selbstvertrauen, Fiori aktiv zu nutzen – statt daran vorbeizuarbeiten
- Entlastet den internen Support durch systematisches Ausräumen wiederkehrender Fragen
- Schützt die Investition in das Migrationsprojekt: das System wird endlich so genutzt, wie es gedacht ist
Wie ich Ihnen und Ihrem Unternehmen konkret helfe
Als SAP FI/CO-Berater und Trainer mit langjähriger Praxiserfahrung in ERP ECC und S/4HANA biete ich Ihnen gezielte Schulungen nach dem Go-Live – praxisnah, modulbezogen und auf Ihre Anwender zugeschnitten.
Dabei unterscheide ich klar zwischen den drei Gruppen, die unterschiedliche Unterstützung brauchen:
Endanwender
Kompakte Praxistrainings zu konkreten Alltagsprozessen in Fiori: Buchungsbelege, offene Posten, Zahlungsläufe, Anlagenzugänge – so wie Ihre Mitarbeitenden diese Aufgaben täglich erledigen. Kein Lehrbuch, keine Foliensammlung. Echte Prozesse, echte Fragen, direkte Antworten.
Key User
Key User sind die Multiplikatoren im Unternehmen. Sie müssen nicht nur selbst sicher mit dem System umgehen – sie sollen auch intern als erste Ansprechpartner funktionieren. Ich unterstütze Key User dabei, ihre Rolle aktiv auszufüllen: mit vertieftem Prozesswissen, Anpassungsmöglichkeiten im Fiori Launchpad und dem nötigen Hintergrundwissen, um Kolleginnen und Kollegen gezielt weiterzuhelfen.
Neue Mitarbeitende
Für Unternehmen, die regelmäßig neue Mitarbeitende ins System einarbeiten müssen, entwickle ich strukturierte Einarbeitungskonzepte – damit nicht jede neue Person neu erfinden muss, was intern längst bekannt sein sollte.

Die SAP-Sprechstunde – Unterstützung genau dann, wenn sie gebraucht wird
Eine besonders wirkungsvolle Form der Nachbetreuung habe ich in der Praxis als SAP-Sprechstunde etabliert.
So funktioniert die SAP-Sprechstunde
- Zeitraum: Erste 2 Monate nach Go-Live
- Frequenz: 2–3 feste Termine pro Woche
- Format: Offene Fragestunde – kein Ticket, kein Formular
- Ablauf: Anwender stellen konkrete Fragen aus dem laufenden Betrieb und erhalten in der Regel sofort eine Antwort
- Themen: Workflow-Unklarheiten, Prozessfragen, App-Bedienung – alles, was der Alltag produziert
Dieses Format habe ich unter anderem beim rbb (Rundfunk Berlin-Brandenburg) eingesetzt, wo es sich als außerordentlich effektiv erwiesen hat: Die Anwenderinnen und Anwender haben das Angebot aktiv genutzt, die Unsicherheit im Umgang mit dem neuen System ist deutlich schneller gesunken als bei rein klassischen Schulungsformaten, und der interne Support wurde spürbar entlastet.
Praxis-Hinweis
Der entscheidende Unterschied zur klassischen Schulung: Die SAP-Sprechstunde greift genau die Fragen auf, die der Arbeitsalltag tatsächlich produziert – nicht theoretische Szenarien, sondern echte Situationen aus dem laufenden Betrieb. Das erzeugt nachhaltiges Lernen und Vertrauen in das neue System.
Was Sie davon haben – der Kosten-Nutzen-Faktor
Professionelle Schulungen kosten Geld. Das stimmt. Aber die relevantere Frage lautet: Was kostet es, wenn sie ausbleiben?
Rechnen Sie es durch: Eine Sachbearbeiterin in der Kreditorenbuchhaltung braucht nach dem Go-Live für dieselbe Aufgabe, die sie früher in drei Minuten erledigt hat, jetzt acht. Multipliziert mit zwanzig solchen Vorgängen pro Tag, über ein ganzes Team und mehrere Wochen – das ist kein Bagatellschaden. Es ist verlorene Arbeitszeit, die direkt in die Prozesskosten eingeht.
Was gut geschulte Anwender Ihrem Unternehmen bringen
- Schnellere Durchlaufzeiten in Buchhaltungsprozessen – weniger Nacharbeit, weniger Korrekturbuchungen
- Konsequente Nutzung von Skontofristen und Zahlungszielen – direkter Effekt auf den Cashflow
- Weniger interne Support-Anfragen – Key User und IT werden entlastet
- Geringere Fehlerquote bei Monatsabschlüssen – weniger Zeitdruck zum Quartalsende
- Höhere Systemakzeptanz – das Team arbeitet mit dem System, nicht gegen es
Investitionen in Schulung rechnen sich nicht irgendwann. Sie rechnen sich direkt – weil jeder Tag mit unsicherem, zögerndem oder fehlerhaftem Systemumgang Geld kostet, das kein Unternehmen sehen will, aber jedes zahlt.
Fazit
Die S/4HANA-Migration war eine große Investition. Gezieltes Nachtraining ist der vergleichsweise kleine letzte Schritt, der dafür sorgt, dass diese Investition tatsächlich das liefert, was sie versprochen hat. Gut geschulte Anwender sind kein Nice-to-have – sie sind der entscheidende Faktor dafür, ob das System seinen Wert im Tagesgeschäft entfaltet.
Bereit für den nächsten Schritt?
Sie haben gerade einen Go-Live hinter sich oder planen einen in den nächsten Monaten? Sprechen Sie mich direkt an – ich schaue mir Ihre Situation an und mache Ihnen einen konkreten Vorschlag.
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